Ein korrodierter Türgriff – ein reales Bauteil von der Haustür eines Schülers. In der Lernsituation „Instandsetzung korrodierter Bauteile” (Lernfeld 13) bearbeiteten unsere angehenden Konstruktionsmechaniker und Metallbauer der Klasse 4MB23 den Griff wie einen echten Kundenauftrag und durchliefen dabei den vollständigen beruflichen Arbeitsprozess: das Schadensbild analysieren, ein beanspruchungsgerechtes Korrosionsschutzkonzept planen, sich begründet für ein Verfahren entscheiden, die Instandsetzung durchführen und das Ergebnis kontrollieren und bewerten.
Am Anfang stand die Analyse – und damit wurden Fehler zum Lerngegenstand: Aus dem Schadensbild erschlossen die Gruppen die Korrosionsursachen – vom Witterungseinfluss bis zur ungünstigen Werkstoffpaarung – und leiteten daraus ab, wie sich solche Schäden künftig konstruktiv vermeiden lassen. Auf dieser Grundlage planten sie ein beanspruchungsgerechtes Schutzkonzept und wogen bei der Verfahrensauswahl ökonomische und ökologische Gesichtspunkte gegeneinander ab: Instandsetzen statt Ersetzen, galvanisches Verzinken mit anschließender Passivierung für langfristig wirksamen Korrosionsschutz.
Die Durchführung führte die Klasse dorthin, wo gewerblich-technische Facharbeit real stattfindet: Zunächst wurden die Bauteile in der schuleigenen Werkstatt sandgestrahlt und so von Rost und Altbeschichtung befreit. Anschließend durchliefen sie in der schuleigenen Galvanik die komplette Prozesskette: Heißentfetten, Beizen in Salzsäure, elektrolytisches Entfetten, Dekapieren, das galvanische Verzinken im alkalischen Zinkelektrolyt und abschließend das Schwarzpassivieren – mit Spülschritten zwischen den Prozessstufen, damit keine Chemikalien verschleppt werden. Dr. Markus Richert aus dem Bereich Galvanotechnik begleitete die Klasse durch die Anlage und erklärte an jeder Station, was elektrochemisch passiert. Die Abscheidung ließ sich dabei direkt am eigenen Bauteil beobachten; die im Unterricht erarbeiteten Themen wurden so unmittelbar mit dem realen Arbeitsprozess verknüpft.
Dass am TBK Solingen eine eigene Galvanikanlage zur Verfügung steht, verkürzt den Weg zwischen Lernsituation und realem Arbeitsprozess erheblich. Ein herzliches Dankeschön an Dr. Markus Richert, der sich für unsere Klasse einen Freitagnachmittag Zeit genommen hat.
Bildrechte: Christoph Höller




