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Mediengestalter Verabschiedung 2026

Gautschfest – Tradition trifft Zukunft

Mit dem traditionellen Gautschfest verabschiedete das TBK auch in diesem Jahr Absolventinnen und Absolventen der Mediengestaltung, diesmal die Klasse 6MG23. Was auf den ersten Blick wie ein fröhlicher Brauch mit viel Wasser wirkt, ist in Wahrheit ein Ritual mit jahrhundertealter Geschichte – und zugleich ein Symbol für den Wandel einer ganzen Branche.

Das Gautschen reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Früher wurden angehende Setzer nach bestandener Ausbildung symbolisch in eine mit Wasser gefüllte Bütte getaucht. Damit sollten die „Sünden der Lehrzeit“ abgewaschen werden und die Aufnahme in die ehrbare Gemeinschaft der Setzer- und Druckerzunft erfolgen. Auch heute gehören der Gautschmeister, die Packer, der Schwammhalter und natürlich das unvermeidliche Bad zum festen Bestandteil der Zeremonie. So hieß es auch in diesem Jahr wieder: „Ihr dürft Euch wehren, aber nass müsst Ihr werden – das ist Vorschrift!“

Doch das diesjährige Gautschfest stand nicht nur im Zeichen der Tradition, sondern vor allem unter dem Motto des Wandels. Die Medienbranche befindet sich mitten in einer digitalen Revolution. Künstliche Intelligenz verändert Arbeitsabläufe, automatisiert Prozesse und wirft Fragen nach der Zukunft kreativer Berufe auf. Viele fragen sich, welche Rolle Mediengestalterinnen und Mediengestalter künftig noch spielen werden.

In ihrer Abschlussrede griff die Lehrkraft, Lisa Gallo, diese Gedanken auf und verglich die gemeinsame Ausbildungszeit mit einem Gestaltungsprojekt: Zu Beginn waren viele Ideen noch unscharf, Konzepte mussten überarbeitet und Entwürfe immer wieder angepasst werden. Es gab Korrekturschleifen, Zeitdruck, technische Herausforderungen und Momente, in denen scheinbar nichts funktionierte. Doch genau diese Erfahrungen haben die Absolventinnen und Absolventen geprägt. Sie haben gelernt, Kritik anzunehmen, kreativ zu denken, Probleme zu lösen und ihr Wissen Schritt für Schritt weiterzuentwickeln.

Gerade diese Fähigkeiten werden auch in Zukunft unverzichtbar sein. Denn Künstliche Intelligenz kann Werkzeuge bereitstellen und Prozesse beschleunigen – gute Gestaltung entsteht jedoch weiterhin durch Menschen. Kreativität, Empathie, Kommunikation, gestalterisches Urteilsvermögen und der Blick für Zielgruppen lassen sich nicht automatisieren.

Passend dazu erinnerte auch die traditionelle Gautschrede daran, wie weit sich das Berufsfeld entwickelt hat: Während frühere Generationen Bleilettern setzten und Druckmaschinen bedienten, entstehen Gestaltung und Kommunikation heute überwiegend am Bildschirm. Dennoch verbindet beide Welten derselbe Anspruch: Qualität, handwerkliches Können und die Leidenschaft, Ideen sichtbar zu machen.

Mit ihrem Gautschbrief im Gepäck starten die Absolventinnen und Absolventen nun in einen Beruf, der sich schneller verändert als je zuvor. Das Gautschfest macht deutlich: Tradition und Innovation schließen sich nicht aus – sie ergänzen sich. Wer bereit ist, Neues zu lernen, Technologien sinnvoll einzusetzen und dabei den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, wird auch die Zukunft der Mediengestaltung aktiv mitgestalten.

In diesem Sinne wünschen wir allen Absolventinnen und Absolventen viel Erfolg auf ihrem weiteren Weg und schließen mit dem traditionellen Gruß der Druckerzunft:

Gott grüßt die Kunst!