Technik und Dichtung

Wie war der Zeitgeist zu Beginn des 19. Jahrhunderts? Damit beschäftigten sich die Schüler des Technischen Gymnasiums im Fach Deutsch zum Thema „Lyrik des Expressionismus“. Die Aufbruchstimmung dieser Zeit wird unter anderem deutlich in dem Gedicht „Aufbruch der Jugend“ von Ernst Wilhelm Lotz. Angeregt durch dieses Gedicht haben die Jugendlichen ihren eigenen Blick auf die heutige Zeit geworfen. Zeitgeist und Zukunftsperspektiven wurden im Stil von Lotz formuliert. Das Ergebnis ist ganz schön kreativ!
 

Aufbruch der Jugend - reloaded

 
Dumpf dröhnen die Bässe, wir sitzen unentschlossen allein.
Wir leben entschleunigt – für uns – im Netz.
Wie ein Strudel werden wir in die Straßen der Städte gezogen,
Um zu suchen eine bessere Anbindung an die Welt.
 
Wir sind frei gebunden an die Regeln der Alten,
die unter falsch strahlenden Kronen sich selbst verwalten.
Unentschlossen stehen wir vor verschlossenen Türen der Zukunft.
Gezwungen zu entscheiden, was und wer wir sein wollen. (Ch)
 
 
Hell leuchten unsere Bildschirme. Wir haben uns zusammengetan.
Die Jugend schreit und macht sich die digitale Welt untertan.
Unsere Daten fluten die Ströme der Welt
Und überschwemmen die Spuren der alten Zeit.
 
Wir lachen mit der alten und schaffen uns unsere eigene Welt.
Wir verbrennen eure Bilder und ihr geratet in Vergessenheit.
Wir sprengen eure Ketten und
Öffnen die Pforte zu einem neuen Himmelreich. (L)
 
 
Grell leuchten die Bilder; wir leben allein.
Eine Idee ging durch uns – verbunden im Netz.
In der Datenflut ergießen sich unsere Gedanken in Chats.
Verbunden im Netz – sind wir wirklich allein?
 
Die alte Welt bricht zusammen; jetzt kommt unsere Zeit.
Von oben herab lachen wir über die Vergangenheit.
Wir entlüften Geheimnisse der Ahnen und erlangen Gewissheit.
Und zeigen der Welt die dunkelste Wahrheit. (E)
 
 
Grell glühen unsere Augen vor den Displays der Welt,
Der Wecker erweckt uns; wir erbrechen geschwellt.
Der Regen ergießt sich über die Trümmer der Nacht;
Nun sehnen wir uns nach einer höheren Macht.
 
Die Reichen der Gesellschaft erobern die Kronen der Jugend;
Überteuerte Technik bieten sie lachend zum Kauf.
Aber wir schließen die Augen und ergreifen sie blind.
Jetzt stehen wir hier mit den Ketten der Welt. (N)

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