Ein volles Haus zur „mikpräp“ 19

Auf der vierten Fachtagung des TBK Solingen und der Gesellschaft für Materialografie Rhein Ruhr e.V. (gmr²) drehte sich am 20. März erneut alles um die Welt der Werkstoffe und Materialstrukturen. Und der Andrang war groß. Eröffnet wurde sie auch in diesem Jahr von Herrn Oberbürgermeister Tim Kurzbach.
Fachvorträge und Workshops standen 2019 unter dem Thema Schadensanalyse. Referenten aus Solingen und ganz NRW gaben Einblicke in diesen wichtigen Aufgabenbereich der Materialwissenschaften. Beispielsweise berichtete Herr Professor Dr.-Ing. Sebastian Weber von der Bergischen Universität Wuppertal über die Mikrostruktur gegossener martensitischer Chromstähle. Untersuchungen zu Korngrößen- und Streulichtwertbeziehung an stranggepresstem Aluminium AlMgSi0,5 stellte Tobias Geisler vor, der 2006 seine Ausbildung als Metallograph am TBK Solingen abschloss und zurzeit an seiner Dissertation arbeitet. Wie das kleine Atom Wasserstoff zu gefährlichen Brüchen im Werkstoff führen kann, wurde von Dr. Florian Domke vom Institut für Werkstoffuntersuchung GmbH vorgetragen. Norbert Lindner von der Ruhruniversität Bochum berichtete über besondere Brucherscheinungsformen, beispielsweise an einer Kurbelwelle und einem Pistolenlauf. Interessant war hierbei zu erfahren, wie sich durch ergänzende Präparationsschritte z.B. ein zusätzliches Ätzen der Bruchfläche oder das Anfertigen von Vergleichsbrüchen wichtige Informationen ergeben können. Wichtig für die Suche nach dem Bruchausgang und seiner Ursache. Wie schwierig dies sein kann, zeigte Dominic Paschalidis, Schüler der Abschlussklasse unserer Metallografen, bei der Vorstellung seiner Untersuchungsergebnisse zu einem Schadensfall an einem Differenzialgetriebe. Die Arbeit entstand während seines Betriebspraktikums bei Professor Dr.-Ing. Sebastian Weber, die er zusammen mit seinem Kommilitonen Jan Honig durchgeführt hat. Dass Auszubildende die Möglichkeit bekommen Fachvorträge zu halten, ist eine Besonderheit der „mikpräp“. Herr Paschalidis erhielt viel Beifall von den Fachleuten. Herzlichen Glückwunsch für die bestandene Feuertaufe! Ebenso trug Marco Hoff, Auszubildender am Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH, seine Ergebnisse zu einem Schadensfall an einer defekten Rohrverbindung im häuslichen Bereich vor und bekam auch dafür viel Applaus. Über interessante Fehler aus der Praxis, die im Zusammenhang mit einer Wärmebehandlung Schäden verursachen können, informierte Professor Dr. Ing. Peter Sommer von der Werkstofftechnik GmbH im letzten Vortrag.

Erstmalig wurde zu der Veranstaltung ein Sonderband der Fachzeitschrift „Praktische Metallographie“ gestaltet, welches den Tagungsteilnehmern zur Verfügung stand.

Am Nachmittag blieb für die Gäste und uns genug Zeit, um Neuheiten auf dem Gebiet der Geräteentwicklung zu bestaunen. 18 Aussteller waren präsent. An zwölf verschiedenen Stationen wurden Geräteentwicklungen und Präparationsmethoden nicht nur vorgestellt, sondern konnten auch an eigenen Proben getestet werden. Insbesondere die Schüler der Mittel- und Oberstufe knüpften dabei viele Kontakte, denn sie waren für die Ausstellerbetreuung verantwortlich. Besonders beeindruckte sie die bedienungsfreundlicheren Präparationsgeräte, die Weiterentwicklung der Mikroskopiertechnik- und Bildverarbeitung und die neueste Generation der Kleinlast- und Mikrohärteprüfgeräte. Ganz besondere Vorsicht war bereits am Vortag bei der Aufstellung eines ZHN Nanointenders geboten, mit dem die Härte und der E-modul im Nanobereich gemessen werden können. Die Solinger Firmen Zwilling J.A. Henckels AG und Nesmuk waren mit einem Infostand vertreten.

Spannend wurde es noch einmal am Ende der Veranstaltung, denn nun wurden die besten Poster prämiert, die traditionell bei dieser Tagung für einen Posterwettbewerb von allen eingereicht werden können. Elf Poster wurden bewertet. Vier Poster erarbeiteten Schüler der Abschlussklasse des Ausbildungsganges zum Physikalisch – technischen Assistenten für Metallographie und Werkstoffkunde während ihres Betriebspraktikums an der Bergischen Universität Wuppertal am Lehrstuhl für Neue Fertigungstechnologien und Werkstoffe gemeinsam mit dem dortigen Forschungsteam von Professor Dr.-Ing. Sebastian Weber. Die Freude war groß, denn zwei dieser Poster wurden prämiert.
Der erste Preis ging an Annika Laimmer, Heidi Bögershausen und Katja Angenendt vom MPIE Düsseldorf für ihr Poster mit dem Thema: „Struktur und mechanische Kennwerte einer Martensitnadel aus einem Damaszener-Stahl“.
Der zweite Preis mit dem Beitrag „Untersuchung des Schadensfalles eines gerissenen Kettengliedes eines Spielgerätes für Kinder“, erarbeitete Sandra Kernebeck gemeinsam mit unserem Schüler Leon Püttbach unter der Leitung von Professor Sebastian Weber
Den dritten Preis erhielten Norina Schmidtseifer gemeinsam mit unseren Schülern Dominic Paschalidis / Jan Honig unter der Leitung von Professor Weber für ihr Poster „Untersuchung eines Schadensfalles eines PKW-Achsdifferentials“
Allen Preisträgern herzlichen Glückwunsch! Die Auszeichnung wird von der Fachfirma ATM gestiftet und mit einer Steele geehrt.

Mit einem aufmerksamen und freundlichen Catering sorgte die Unterstufe der Metallografen für das leibliche Wohl aller Gäste. Damit leisteten Sie einen wichtigen Beitrag zum Gelingen dieser Veranstaltung und schnupperten die Tagungsatmosphäre. Zur nächsten „mikpräp“ 21 werden sie die Tagung dann auch inhaltlich gestalten. Allen Helfern ganz herzlichen Dank!

Mikpräp-2019 Metallographen TBK-Solingen, Eröffnung
Eröffnung mikpräp-2019
Mikpräp-2019 Metallographen TBK-Solingen, Begrüßung durch den Oberbürgermeister Herrn Kurzbach Mikpräp-2019 Metallographen TBK-Solingen, Schülervortrag von Dominic Paschalidis Mikpräp-2019 Metallographen TBK-Solingen, Aussteller Mikpräp-2019 Metallographen TBK-Solingen, Catering Mikpräp-2019 Metallographen TBK-Solingen, Posterpreis 2. Platz Mikpräp-2019 Metallographen TBK-Solingen, Posterpreis 3. Platz